
Sechs junge Menschen als „Mitlebende auf Zeit“ nach Bolivien, Brasilien und Rumänien entsandt
Sechs junge Menschen aus dem Sauerland, dem Münsterland, Niedersachsen und der Nähe von München schlagen in den kommenden Wochen ein neues Kapitel in ihrem Leben auf, um für ein Jahr als „Mitlebende auf Zeit“ – kurz MaZ – einen internationalen Freiwilligendienst in Einrichtungen der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel zu leisten. Sie gehen nach Brasilien, Bolivien und Rumänien. Am Samstagmittag sandte Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow sie im Bergkloster Bestwig aus.

Sie führte den Freiwilligen vor Augen: „Sie werden Menschen in andern Lebenssituationen kennenlernen: Junge Menschen, die in Armut aufwachsen, die aus zerrütteten Familien kommen, ältere Menschen, die pflegebedürftig und hilflos sind.“ Und sie nahm Bezug auf das Evangelium, das sich die sechs neuen MaZ für ihre Aussendung ausgesucht hatten: von den Jüngern, die in die Welt gesandt werden, um die gute Botschaft zu überbringen, und sich den Staub von den Füßen schütteln sollen, wenn sie nicht aufgenommen werden (Lukas 9, 1-6): „Wie wir Ihre gute Nachricht lauten? Sie werden sie überbringen, in dem sie Menschen unterstützen. Damit haben Sie auch teil an dem Auftrag unserer Ordensgemeinschaft: Die Jugend bilden, die Armen unterstützen und nach Kräften Not lindern.“
Koffer schon gepackt

Clara Bröcking, die am Berufskolleg Canisiusstift der Ordensgemeinschaft in Ahaus gerade ihr Abitur gemacht hat, sagt erwartungsfroh: „Ich habe meinen Koffer schon gepackt.“ Schon in wenigen Tagen geht es für sie nach Cochabamba in Bolivien, wo sie in dem Montessori-Kindergarten Casa de Niños mitarbeiten wird. Leonie Schallenberg aus der Nähe von Osnabrück wird ihr zwei Wochen später folgen. Die 27-Jährige sagt: „Ich habe nach meinem Abitur schon Work and Travel gemacht und während meines BWL-Studiums Auslandssemester absolviert. Aber jetzt finde ich es spannend, ein Land kennenzulernen, in dem man lebt, in die Kultur eintaucht, und das man nicht nur bereist.“

Omer Awed ist in Dachau in Bayern aufgewachsen. Der 28-Jährige arbeitete seit mehreren Jahren in der Logistikbranche. „Jetzt will ich noch einmal eine andere Richtung einschlagen und rauskommen. Ein Freund, der einen solchen Auslandsdienst gemacht hat, inspirierte mich. Ich habe gesehen, wie ihn das verändert hat.“ Sein Ziel ist die Stadtrandarbeit und das pädagogische Zentrum Sagrada Familia der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel in Leme/Brasilien.
Familie und Freunde werden weit weg sein
Nach Leme brechen auch Charlotte Kampe und Adrian Löser auf. Sie hatten das MaZ-Programm an ihren Schulen kennengelernt: Charlotte besuchte das Placida Viel-Berufskolleg in Menden und Adrian das Berufskolleg Canisiusstift in Ahaus. Charlotte gibt zu: „Bestimmt werde ich meine Familie und meine Freunde vermissen. Aber sie sind auch stolz auf mich.“ Und Adrian gesteht: „Ich habe Sorge, dass ich hier etwas verpasse. Andererseits wird das eine wichtige Erfahrung sein.“

Gespannt ist auch Zoé Schaub. Die Abiturientin aus dem Berufskolleg Bergkloster Bestwig hat sich für Rumänien entschieden und wird dort ein Jahr lang in dem Kinderheim und dem sozialen Zentrum in Schineni – nahe der moldawischen Grenze – mitarbeiten. „Mit Schwester Carmen Tereza, die mich dort als Mentorin begleiten wird, habe ich erst vor einigen Tagen telefoniert“, erzählt sie voller Vorfreude.
Bei der Aussendungsfeier sind ihre Mutter und ihre jüngere Schwester dabei. Sie werden sich wie alle Familien daran gewöhnen müssen, das die Tochter beziehungsweise der Sohn, die Schwester oder der Bruder nun mindestens ein Dreivierteljahr fort sind. Schwester Maria Thoma bedankte sich deshalb auch bei den Eltern, dass sie ihren Kindern diesen Weg zutrauen und sie aus der Ferne begleiten werden.

Entsendet, um zu begegnen
Und Leonie Schallenberg sagte den Angehörigen, die zu dem Aussendungsgottesdienst gekommen waren: „Trotz aller Vorbereitung wissen wir noch nicht genau, was uns erwartet. Wir werden entsendet, um zu begegnen. Das ist unser neues Kapitel. Schön, dass Ihr alle hier seid und die nächste Seite darin mit uns aufschlagt.“
Für dieses neue Kapitel schrieben die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes, zu dem ebenfalls eine Reihe von Ordensschwestern aus dem Bergkloster gehörten, den neuen MaZ viele gute Wünsche auf. Sie wurden auf einer Pinnwand unter den Steckbriefen der Freiwilligen gesammelt. Sechs Schwesternkonvente aus Bestwig und Heiligenstadt übernehmen außerdem jeweils eine Gebetspatenschaft.
Mut bedeutet, trotz Schwierigkeiten weiterzugehen

Auch Birgit Bagaric, die pädagogische Leiterin des MaZ-Teams für die jungen Menschen, die aus Deutschland in den Globalen Süden oder nach Rumänien gehen, und die ehemalige Freiwillige Sophie Damberg, die die sechs ausgesandten neuen MaZ während des vergangenen Jahres an 15 Seminartagen mit begleiteten, sprachen ihnen Mut zu: „Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, dass man trotz der Schwierigkeiten, die einem auf diesem Weg begegnen, weitergeht.“
In ihrer als Dialog vorgetragenen Deutung des Evangeliums nahmen sie Bezug auf das Bild des Staub-Abschüttelns: „Das bedeutet: Ich darf weitergehen und muss nicht daran hängen bleiben. Solche Erfahrungen dürfen wehtun. Aber sie dürfen nicht darüber bestimmen, wie es weitergeht.“

Birgit Bagaric betonte: „Wir können Euch nicht jede Unsicherheit abnehmen. Aber wir können Euch zutrauen, dass Ihr Euren Weg findet – und wenn Euch mal jemand nicht aufnimmt, schüttelt Euch den Staub von den Füßen.“
Die Wege trennen sich nun
Danach waren alle noch zu einem gemeinsamen Mittagsimbiss im Kloster eingeladen. Und dann trennten sich die Wege bis zum Sommer nächsten Jahres. Das neue Lebenskapitel hat nun begonnen.
Hinweis
Wer an einem Internationalen Freiwilligendienst als „Mitlebende/r auf Zeit“ interessiert ist, kann sich jetzt schon für das nächste Einsatzjahr 2027/2028 bewerben. Informationen gibt es hier.







